«Das DJ-Business ist wie viele Bereiche immer noch sehr stark von Männern dominiert. Leider wurde es bei manchen wie eine Art Modeerscheinung aufgenommen, dass mehr Frauen aufgelegt haben. Es ging mehr darum, wie man wirkt – sprich, dass eine Frau dann am besten sexuell gekleidet hinters DJ-Pult gestellt wird. Oder es heißt: ‚Wenn du bei mir auflegen möchtest, dann lass uns doch mal essen gehen.‘ Ich habe mir immer gedacht, dass ich niemals für mein Aussehen gebucht werden möchte, sondern für meine Fähigkeiten, die ich als DJane habe. Der Weg ist einfach schwieriger, wenn andere sich eher über ihr Aussehen verkaufen. Wenn man versucht, auf ehrliche Weise die Anerkennung zu bekommen, wird man doch härter beurteilt als ein Mann. Aber nur, weil es eine Männerdomäne ist, heißt das nicht, dass es eine bleiben muss. Ein Bekannter hat einmal gesagt: ‚Wenn eine Frau auflegt, dann hört man das.‘ Der Vibe, den man aufbaut, die Art, wie die Lieder aufgelegt werden – Weiblichkeit fließt einfach mit in die Musik ein, in die Übergänge, in die Reise, auf die man den Zuhörer mitnimmt.
Weiblichkeit ist auch einfach ein Gefühl, eine Emotion, die wir in uns haben, ein Teil von uns. Vor allem, weil Musik so wichtig ist für mich, ist es die Art, wie ich laufe, wie ich rede und meinen Alltag bewältige. Meine weibliche Seite, da bin ich ruhiger, in mich gekehrter, aber trotzdem auch bedachter mit meinen Worten und meiner Art, wie ich mit den Menschen umgehe. Und vielleicht auch, wie ich mich schminke oder ob ich mich gar nicht schminke. Ob ich mich wohl fühle komplett ohne Schminke, weil ich mich weiblich genug fühle.
Meine Mutter hat uns vorgelebt, dass man sich schminkt, dass man sich fertig macht. Und daran ist ja auch nichts verkehrt. Nur warum muss ich mich schminken, wenn ich mich an einem Tag nicht danach fühle? Ich bin ja trotzdem noch weiblich. Ich bin trotzdem noch hübsch. Ich muss mich doch nicht schminken, um ein bestimmtes Bild darzustellen. Dann war es halt auch so, dass ich mich verkleidet gefühlt habe. Ab dem Moment, wo ich für mich verstanden und realisiert habe, dass ich Kleider oder kurze Hosen oder was auch immer tragen kann und immer noch weiblich bin, ist meine Weiblichkeit noch stärker geworden.
Im Kosovo, wo ich herkomme, ist es so, dass gewisse gesellschaftliche Maßstäbe erfüllt werden müssen. Da wird einem vorgegeben, wie sich eine Frau zu benehmen und was sie zu tun hat. Und das ging gegen meine Prinzipien und sehr oft gegen meine Weiblichkeit, weil ein bestimmtes Verhalten erwartet wurde.
Das war auch oft, wenn ich ausging: Die Art, wie man angeschaut wird von Männern, die einen dazu bringen, dass man seine Weiblichkeit verstecken muss, sonst wird man als Objekt gesehen. Ich muss einen Teil von mir verstecken, verdrängen, zurückhalten, weil ich Angst habe vor bestimmten Reaktionen. Heute ist es zum Glück nicht mehr so stark, aber ich spüre es immer noch.
Früher habe ich leider auch immer verwechselt, dass, wenn man die weibliche, zarte Seite, die verständnisvolle Seite zeigt, nicht ernst genommen oder oft halt ausgenutzt wird. Den männlichen Teil in mir habe ich immer sehr ausgedrückt, weil ich es damit assoziiert habe, dass man stark sein muss. Das war irgendwann so stark, dass ich meine Verbindung zur Weiblichkeit vermisst habe. Ich habe ‚männlich‘ mit stark verbunden, aber das ist falsch, weil auch die weibliche Seite stark ist, aber immer noch diese Sanftheit hat.»